Sonntag, 1. September 2019

Sonntag, 11. August 2019

Unboxing MSR Freelite

Das MSR Freelite Ultraleicht-Zelt ist so ziemlich das nützlichste Utensil, dass Traveller auf einer Reise dabei haben können. Egal ob mit dem Fahrrad auf dem Mount Everest, einer mehrtägigen Wanderung durch die polnischen Aluminiumwüsten oder einer kurzen Runde um den (Ost-)Block: Das MSR Freelite bietet Schutz vor Kälte, spendet Schatten und kann stundenlang zuhören. Seine scheußliche Farbe vertreibt wilde Tiere. Nass zusammengerollt ist es eine tödliche Nahkampfwaffe. Das Beste: Sie müssen auf ihrer Reise keine schweren Geldmünzen oder sperrigen Geldscheine mit sich herumschleppen. Denn das MSR Freelite  kostet 4.500 Euro und ist damit das teuerste Zelt in seiner Klasse. Zumindest in unserem Shop (link in Bio). Auf Wunsch bieten wir das Ultrateuer-Zelt auch noch kostenintensiver an. Ihre Brieftasche wird nie wieder so leicht sein !!!













Montag, 15. Juli 2019

Socks and the City - Zu Fuß durchs Erfurter Hinterland (Tag 4)

Tag 4: Von Marbach nach Erfurt

Die Luft ist raus. Ich will nicht mehr. Doch das Ziel ist noch nicht erreicht. Als erste Amtshandlung des Tags entferne ich zwei weitere Zecken, die ich wohl gestern in meiner Unterhose übersehen haben muss. Mangels Werkzeug benutze ich meine Fingernägel als Pinzette. Borreliose ick hör dir trapsen.

Das erste Bild des Tages zeigt Stacheldraht. Viel besser wird es auch nicht mehr.

Alach, Bindersleben,Schmira,Stedten,Möbisburg


Ich mache mich auf dem Weg nach Alach und passiere den Flughafen, von dem nie etwas fliegt. In Bindersleben esse ich einen Döner. IKEA schenke ich mir. Ist ja auch kein Ort. In Schmira provozieren mich zwei Gänse. Und auch Stedten und Möbisburg hake ich nur noch ab.


Das schönste Bild des Tages. Schmira. Im Ort selber werde ich von Gänsen provoziert!

Nach 6 Stunden Wanderzeit erreiche ich Möbisburg- Rhoda und mache die Runde komplett. Doch wo ist das Empfangskomitee? Früher gab's bei solchen Anlässen noch Salz und Brot, dazu ein Pionierchor der herzige Heimatlieder trällert. Stattdessen gönne ich mir Bier und Pizza in Waldhaus

Das leckerste Bild des Tages. Weil die vegetarische Pizza im Waldhaus absolut uninspiriert ist, stelle ich mir selber eine zusammen. Das Ergebnis kostet mich dann 16 Euro!

Fazit


Zeit für ein Fazit: Klar kann man 80 Kilometer in vier Tagen abwandern. Doch ist es schlau? Ich weiß es nicht. Sechs Tage wären schon besser gewesen. Aber dummerweise muss ja das Brot irgendwann auch verdient werden und dusselige Texte schreiben hat noch niemanden reich gemacht. Kulinarische Höhepunkte darf  man im Erfurter Umland nicht erwarten. Manchmal wäre man schon dankbar, wenn einen eine Omi ein trockenes Brötchen schenkt. 

Geldautomaten habe ich exakt zwei gesehen. Kartenzahlung ist selten möglich. Lohnt sich die Tour? - Kommt drauf an. Wer seine Zeit gerne in schöner Natur verbringen möchte wandert vielleicht lieber über den Rennsteig. Dort gibt's  genauso wenig Gastronomie. Fasten kann man also überall. 

Die Strecke rund um Erfurt bietet aber einige Skurilitäten vom Eigenblutlifting über "Fickt-Euch-Allee" bis hin zum Lustschloss des mysteriösen Herrn Hack. Auch die eine oder andere Dorfkneipe treibt einen schon fast Nostalgie-Tränen ins gerührte Auge. 

Die nächste Biber-Tour heißt dann vielleicht "Die letzten ihrer Art" und besucht vom Aussterben bedrohte Gastronomie-Perlen in Thüringen. Vorschläge könnt ihr gerne in die Kommentare schreiben. Bis dahin: Schöne Grüße vom linken Biber.


Sonntag, 14. Juli 2019

Socks and the City - Zu Fuß durchs Erfurter Hinterland (Tag 3)

Tag 3: Von Stotternheim nach Marbach


Das Geräusch der nahen Kiesbagger weckt mich. Es ist 6:00 Uhr. Mit einiger Überwindung hüpfe ich in den eiskalten See. Vorsicht Glasscherben im Wasser. 7:30 Uhr sitze ich bei Bäcker Thieme, esse Käsebrötchen und trinke Kaffee. Im Netto hole ich mir eine Flasche Mineralwasser. "Nur diese Selters?" fragt die Kassiererin forsch. – Ich fühle mich schuldig und bejahe die Frage kleinlaut. "Macht 19 Cent". Ich zahle mit einem 20 € Schein. Ihr missbilligender der Blick verfolgt mich bis zur Tür. 

Mit diesem Wecker ist verschlafen unmöglich. Ausschlafen auch.

Alperstedter See

Mein nächster Stopp ist der Alperstedter See. Ich finde einen hübschen kleinen Strand. Ich bin allein. Weil ich meine Badehose nicht nass machen will hüpfe ich ohne ins kalte Wasser. Fünf Sekunden später betritt ein älteres Ehepaar die Kulisse. Hmpf! Ich bleibe länger im Wasser als geplant. Dann verlasse ich den See. Meine Handtuch liegt direkt neben dem rastendem Ehepaar. "Guten Tag  – iss kalt.?" Wir plaudern noch ein bisschen während ich meine Sachen anziehe. Mittlerweile ist es schon wieder elf. Und ich will heute noch nach Marbach.

Niemand weiß warum der Mülleimer auf dem Foto ist. Wahrscheinlich ging es dabei irgendwie um die Banalität des Alltäglichen oder die Ästhetik des Realismus. Ganz sicher hat es nichts mit der traumatischen Müll-Erfahrung vom Luthersee zu tun. (Tag 2)

Nöda, Mittelhausen,Kühnhausen

In Nöda bewundere ich die Bushaltestelle und den Kaugummiautomaten. Die drei Kilometer nach Mittelhausen laufe ich auf der viel befahrenen Landstraße. Gar nicht mal so geil! Mittelhausen betrachte ich von einer schönen bequemen Bank aus, die im Garten vor der Kirche steht. Wahrscheinlich verpasse ich dadurch zahlreiche bemerkenswerte Sehenswürdigkeiten. Hilft aber nix. Ich bin total erledigt. Mittlerweile ist es auch schön warm. Die Sonne knallt bei 32°. Und nicht einmal die Hälfte des heutigen Weges geschafft. Der Pfad zum Ziel führt über Kühnhausen. Am Ortseingang sehe ich einen sehr alten Bekannten. Die ehemals populäre Marke Goldbroiler war früher mal ein feines Restaurant in der Erfurter Innenstadt. Jetzt ist es ein Imbiss für Autofahrer auf dem Weg nach Mittelhausen. In meinem Kopf entstehen sofort Geschäftsideen die Marke wieder zu beleben. Doch eigentlich will ich doch nur herumvagabundieren und seltsame Texte schreiben.

Dieser Kaugummiautomat in Nöda hatte es dem Wanderer angetan. Verständlich.

Tiefthal

Nach einem langen schmerzerfüllten Weg voller Leid erreiche ich Tieftal. Der Gasthof hat zwar geschlossen, doch ich gönne mir ein Bier im Getränkestützpunkt. Schon bald gesellen sich andere Trinker zu mir und erzählen Witze in meine Richtung, einige davon gar nicht mal so schlecht. Auch sonst ist das der schönste Ort, dem ich heute über den Weg gelaufen bin. Apropos Weg – der Pfad auf den mich Google Maps diesmal leitet ist echt abenteuerlich. Vermutlich ist die Kräuterhexe des Dorfes zehn mal hier lang gerannt und hatte die Standortermittlung ihres iPhones aktiviert. Am Ende des Weges sammle ich drei Zecken von meiner Epidermis. Eine davon hatte sich schon halb rein gebohrt.

Der Weg nach Tiefthal. Ihn zu begehen war nicht halb so schön wie es aussieht (Füße!). Trotzdem sind Weg und Ort uneingeschränkt zu empfehlen.

Salomonsborn

Anbetracht der fortgeschrittenen Tageszeit lasse ich Schaderode rechts liegen und krauche gleich nach Salomonsborn. Einst sammelten sich hier meine schlesischen Vorfahren nach dem Krieg. (Wahrscheinlich noch ein bisschen zerstörter als ich heute.) Im Landgasthof genehmige ich mir ein Spargelsüppchen (exzellent) und einen Wildkräutersalat für zehn Euro (jeden Euro wert). Als es draußen beginnt zu grollen, wird es Zeit für das letzte Etäppchen des heutigen Tages.


Eine Dreiviertelstunde später erreiche ich das Gartenhäuschen meine Eltern auf dem Käferberg in Marbach.
(weiter zu Tag 4)


Leider ohne Audrey Hepburn: Frühstück in Stotternheim.


Symbolbild für meine Zeit in Mittelhausen
Nicht tot zu kriegen: Der Goldbroiler (Doppeldeutigkeit beabsichtigt)

Diese Gaststätte am Bahnhof Kühnhausen öffnet erst Abends. Wochen später war ich nochmal da. Zur Beschreibung bräuchte es einen extra Artikel. Unbedingt besuchen, solange es die Kneipe noch gibt.

Solaranlage in Tiefthal


Im Ernst Google Maps?





Glücklich derjenige der Eltern hat, die ein Gartenhäuschen haben.
Den Glückskeks hatte ich noch aus dem Chinarestaurant in Dittelstedt. 








Samstag, 13. Juli 2019

Socks and the City - Zu Fuß durchs Erfurter Hinterland (Tag 2)

Tag 2: Von Obernissa nach Erfurt-Stotternheim


Um 7:00 Uhr klingelt mein Handy Wecker. Kaum drei Stunden später verlasse ich die Pension, frisch geduscht mit Frühstück im Magen. Nächster Sehnsuchtsort ist Erfurt Büßleben. Der Weg führt durch Wald und Wiesen, vorbei an Feldern und Pferden. Eine stolze Reiterin dreht einsam ihre Runden. Worum geht es eigentlich beim Reiten? Sport? Tierliebe? Macht? Status? –  Die Möglichkeit von A nach B zu kommen kann es nicht sein. Wann immer mir eine Frau (und irgendwie sind es fast immer Frauen) auf einem Pferd begegnet fühle ich mich gleichsam unterwürfig und leicht sexuell erregt. Dieses Gefühl stellt sich nie ein, wenn eine Person im Porsche an mir vorbeifährt. 

Was denkt eigentlich ein Pferd über Dich?

Büßleben

Die Kirche in Büßleben ist von einem Friedhof umgeben. Ein Schild warnt vor dem Besuch der Gräber an der Friedhofsmauer. Diese ist einsturzgefährdet, sollen aber 2017 repariert werden. Alles klar: „Der Techniker ist informiert". Eine Frau beobachtet mich beim Fotografieren. "Sind Sie wegen der Mauer da?“ fragt sie hoffnungsvoll. - Sie hält mich offenbar für so eine Art Bausachverständigen mit Wanderrucksack.

Beim sitzen auf dem Dorfplatz entdecke ich einen winzigen schwarzen Punkt, der über mein Bein läuft. – Eine Zecke sucht einen Platz zum verweilen. Weil wir Wander-Brüder sind fühle ich mich verbunden. Ich schnippe den kleinen Freund ins hohe Gras. Viel Glück beim nächsten Mal. 

Was denkt eigentlich eine Zecke über Dich?


Urbich

Weiter geht's Richtung Urbich. Mitten im Ort residiert ein Jeansladen. Seltsam: Kein Bäcker, kein Lebensmittelladen und kein Geldautomat, aber ein Jeansgeschäft? Wenn die Leute eh alle nach Erfurt  zu einkaufen fahren, warum besorgen die sich nicht auch ihre Jeans dort? Aber okay, man kennt das ja: Der Einkauf ist gemacht und plötzlich merkt man, dass man vergessen hat Jeans einzukaufen. So ein Ärger! Schließlich hat sich fürs Wochenende Besuch angesagt. Nur gut, dass es noch den kleinen Jeansladen an der Ecke gibt wo sich jeden Samstagmorgen das halbe Dorf trifft um den neuesten Klatsch auszutauschen.

Der alte Jeansladen in Urbich - Hier trifft sich Samstag früh das halbe Dorf

Salzgrotte in Dittelstedt


Ich überquere die vierspurige Konrad Adenauer-Straße und bin auch schon in Dittelstedt. Vorbei an einem Laden der hochwertige Grills verkauft, bleibt mein Auge an einem Schild hängen: Erfurter Salzgrotte. Als Sauna-Freund ist mein Interesse geweckt. Die Schilder führen mich in den Keller eines Bürogebäudes. Eingang B. im Untergeschoss, gegenüber einer Tieraztpraxis unterm Ingenieursbüro. Im salzigen Eingangsbereich unterhalte ich mich mit dem Mann hinterm Tresen aus Salz-Steinen. Eigentlich gehe es hier vor allen um Massagen. Der Salzraum ist auch nicht sehr saunahaft, sondern hat eine Temperatur von 21 Grad. Eine gesundheitlichen Vorteil könne er nicht versprechen, rein rechtlich. Es gebe aber Leute die kommen seit sechs Jahren hier her. Ich habe leider keine Zeit und bin auch ein bisschen von der Location abgeschreckt. Ich kaufe ein paar Salzbonbons und humpele weiter die Hauptstraße runter.

Die Salzgrotte befindet sich natürlich im Keller des Bürogebäudes

Peking City Dittelstedt


Mittlerweile ist es Mittag. Ich besuche ein absurd großes chinesisches Restaurant und bezahle 6,90 € fürs Buffet. Außer mir ist noch ein älteres Ehepaar in dem vor Kitsch strotzenden Saal in Tennisplatzgröße. Seit 29 Jahren hält sich der Laden jetzt schon erzählt mir die Kellnerin auf Nachfrage. Das nenne ich mal traditionelle Thüringer Küche. Am Wochenende ist der Saal voll, berichtet das Ehepaar am Nachbartisch. Ohne Reservierung geht da nix!

Traditionelle Thüringer Küche


Eiscafe Sonja 


Mein Dessert löffle ich im Eiscafe Sonja. Gibt's auch schon seit DDR-Zeiten. Es gibt Soft Eis in Original "nach-Pappe-schmeckender" Waffel. Eine Frau kommt, bestellt ein großes Schoko-Vanille und faltet dann die Eis-Frau verbal zusammen, weil die noch mal irgendwas nachfragt. Ich bin fasziniert von so viel teuflischer Schönheit. Was könnte sie erreichen, wenn sie ihre Kräfte für das Gute einsetzen würde.

Zucker- und Geschmacksfrei: Die Eiswaffel im Eiscafe Sonja.

Henne Kaserne


Über eine bröckelige Straße kämpfe ich mich Richtung Norden. Ein mehrerere Fußballfelder großer Komplex versperrt mir den Weg: Die Hennekaserne ist eine der diskretesten Kasernen die ich kenne. Wenn man nicht ab und zu dagegen laufen würde, könnte man vergessen, dass sie existiert. Was haben die zu verbergen??? 

Was haben die zu verbergen ???

Robert Smiths Subway Filliale


Ich gehe links am Zaun entlang. Nach 20 Minuten betrete ich auf der Rückseite des Metro Marktes die Zivilisation. Ein paar hundert Meter weiter stoße ich auf eine Subway-Filiale. Wie die meisten Subway Filialen ist sie leer. Ich kaufe einen Kaffee und absolviere eine hochkomplexe Subway Bewertungsumfrage im Internet. Als Belohnung bekomme ich einen Cookie – ja, fein! Ich bin ein Guter!

Seit dem gestrigen Tag horte ich zwanghaft Lebensmittel. Ich möchte nie wieder hungern! Ich habe bereits ein altes Brötchen, einen Apfel, eine Packung Sole-Salbei-Bonbons und einen Glückskeks. Die Subway-Filiale gehört übrigens einem Robert Schmidt. Leute die sich an die Achtziger erinnern werden verstehen.

Das Subway im Gewerbegebiet gehört Robert Smith

Linderbach und Azmannsdorf


Weiter geht's. Ich muss heute noch nach Stotternheim und mir tut jetzt schon alles weh. Die Orte Linderbach und Azmannsdorf verfehle ich knapp, weil ich zu früh abbiegen. Sorry!
Andererseits: Darum geht es doch beim reisen. Einfach mal den Plan ändern, ohne dass einen jemand auf den Sack geht. Der Arbeitgeber, der Vermieter, die Bank, die Mutti, der Vati. Einfach mal frei sein. Ha! Du kannst mich mal Azmannsdorf. Kerpsleben – get ready to Rock!

Kerpsleben


Am Ortsrand fallen mir direkt zwei Dinge ins Auge. Eine Autowerkstatt mit dem denkwürdigen würdigen Slogan: "Hack – Karosserie und Lack." und ein Wohnhaus in Form eines italienischen Schlosses mit Türmchen und Säulen. Ich spreche eine Passantin an: „Wer bewohnt dieses Schloß, edle Dame?“ - "Das Haus gehört Herrm Hack!"
Ich staune: "What the fuck – Hack?"

Hack - Karosserie und Lack
What the fuck, Hack?

Fickt-Euch-Allee


Ich besorge eine Dose Sterni und mache mich auf dem Weg nach Schwerborn. Der Pfad führt  durch wogende Weizenfelder. Der Himmel hängt voller dramatischer Wolken. Mitten im Weizen ragt ein bewaldeter Hügel wie eine einsame Insel aus dem Meer. Ich überlege ob ich dort mein Zelt aufbaue. Noch wäre Zeit nach Kerpsleben zurückzulaufen um Dinge zu kaufen, die sich über einen romantischem Feuer rösten lassen. Doch leider muss ich feststellen, dass ich nicht allein auf der Insel bin. Der Hügel ist bewohnt! Zuerst sehe ich das Angeber Auto, ein SUV einer teuren Automarke, dann das Schild: „Zutritt verboten. Gelände wird überwacht“. Dann das Straßenschild "Fickt – euch – Allee“.  Mein Sterni trinke ich dann lieber in sicherer  Entfernung.


Fickt-Euch-Allee


Schwerborn


Mittlerweile ist es 18 Uhr. Mit letzter Kraft erreiche ich Schwerborn. Sieht eigentlich ganz niedlich aus. Die Dorfkneipe ist schön urig. Als ich eintrete verstummen die Gespräche der Männer am Tresen. Ich frage nach einem Zimmer. Der Wirt muss erst mal telefonisch nachfragen. Logisch, bei so nem Mega-Hotel. So langsam setzen die Gespräche wieder ein. Der Sänger von Rammstein hat in München irgend jemand eine "aufs Maul“ gehauen. Kann ja sein, hilft mir aber nicht weiter. Zimmer sind alle belegt, vermeldet der Wirt, vielleicht mal in Stotternheim probieren. Ich breche innerlich zusammen und verfluche den Rammstein-Sänger mit seinen Luxus – Problemen. Sollte ich meine Prinzipien untreu werden und die zwei Kilometer mit dem Bus fahren? Ich sitze 20 Minuten an der Bushaltestelle und telefoniere mit Zuhause. Kurz bevor der Bus kommt laufe ich los. 

Ich nehme den Weg am See entlang um potentielle Schlafplätze auszuspähen. Alles ganz schön, aber auch viele Schwirr-Viecher. Auf halber Strecke versperrt ein Zaun den Weg. Umkehren ist keine Option! Auf der anderen Seite des Zauns liegt ein perfekter Schlafplatz: Sauber, eben - eine kleine Bucht am Luthersee. Ein Schild warnt: "Zelten verboten ! Von der Schusswaffe Gebrauch gemacht - Der Anglerverein" Ich laufe erst mal weiter. Es folgen weitere Schilder. Offenbar befinde ich mich auf Privatbesitz. Gerne möchte ich den wieder verlassen, doch die Zäune und Tore haben spitze Stacheln oben drauf. Nur ein Tor zum Nachbargrundstück scheint überwindbar. Ich klettere darüber. Hinterher merke ich dass es offen war. 

Fast wäre ich noch dem Kampfroboter des Anglervereins in die Arme gelaufen

Stotternheim


Der neue Ort wirkt sehr einladend. Ein weitläufiger Park mit Volleyball Plätzen, doch vollkommen menschenleer. Fuck – das ist das Strandbad Stotternheim! Schnell suche ich ein Tor zum drüber klettern. Genau wie Pferdemenschen, sind Bademeister ein elitäres Völkchen. Ein solcher Regelverstoß würde wahrscheinlich mit hochnäsiger Ungläubigkeit und den Worten: „Das ist jetzt nicht Ihr Ernst, oder???“ bestraft werden. Und ich bin nicht mehr in der Verfassung so viel Verachtung zu ertragen. 

In Stotternheim gibt es drei Pensionen. Alle sind belegt. In einer Stunde wird die Sonne untergehen. "Don't panic" - rufe ich mir die oberste Devise alle Reisenden in Erinnerung. Ich bestelle eine schöne Pizza. Mit Google Maps erwähle ich den Klingensee zu zum Nachtlager. Mit wirklich aller letzter Kraft suche ich eine Stelle die nicht komplett mit Müll überzogen ist und errichte das Zelt. Eigentlich ist es nur eine Zeltplane. Das Innenzelt liegt zu Hause. War zu schwer. Trotz fortgesetzter Mückenattacken falle ich bald in einen tiefen Schlaf.

Das Innenzelt liegt leider zu Hause.

30 Jahre nach der Wende wurde das Aufstellen eines Stein-Wegweisers schließlich genehmigt.

Womit die Frage beantwortet wäre, ob Kühe im Stehen schlafen.



Wichtige Erkenntnis: Ausnahmslos jeder Ort hat seine eigene Kirche

Friedhofsmauer in Büßleben: "Der Techniker ist informiert".



Gleich hinter der Konrad-Adenauer-Straße wartet Dittelstedt

Da kommt Stimmung auf.
Da kommt noch mehr Stimmung auf.



Chinatown in Dittelstedt

Der Innenraum des China-Restaurants ist absurd groß.

"All you can eat"-Buffet für 6,50€  
Die zukünftige Ursula-von-der-Leyen-Kaserne an der Henne

Das Betrachten dieses Bildes kann Depressionen auslösen.

Spielhalle und Subway teilen sich ein Gebäude.

 Apfel, Glückskeks, Cookie, Salzbonbons, Brötchen, Kaffee

Kerpsleben!

Friedhofsromantik in Kerpsleben




Mitten im Weizenmeer zwischen Kerpsleben und Stotternheim liegt die Fickt-Euch-Allee.
Leider geil: Sterni


Schwerborn.


Es geht doch nicht über einen romantischen Sonnenuntergang.