Sonntag, 11. August 2019

Unboxing MSR Freelite

Das MSR Freelite Ultraleicht-Zelt ist so ziemlich das nützlichste Utensil, dass Traveller auf einer Reise dabei haben können. Egal ob mit dem Fahrrad auf dem Mount Everest, einer mehrtägigen Wanderung durch die polnischen Aluminiumwüsten oder einer kurzen Runde um den (Ost-)Block: Das MSR Freelite bietet Schutz vor Kälte, spendet Schatten und kann stundenlang zuhören. Seine scheußliche Farbe vertreibt wilde Tiere. Nass zusammengerollt ist es eine tödliche Nahkampfwaffe. Das Beste: Sie müssen auf ihrer Reise keine schweren Geldmünzen oder sperrigen Geldscheine mit sich herumschleppen. Denn das MSR Freelite  kostet 4.500 Euro und ist damit das teuerste Zelt in seiner Klasse. Zumindest in unserem Shop (link in Bio). Auf Wunsch bieten wir das Ultrateuer-Zelt auch noch kostenintensiver an. Ihre Brieftasche wird nie wieder so leicht sein !!!













Samstag, 13. Juli 2019

Socks and the City - Zu Fuß durchs Erfurter Hinterland (Tag 2)

Tag 2: Von Obernissa nach Erfurt-Stotternheim


Um 7:00 Uhr klingelt mein Handy Wecker. Kaum drei Stunden später verlasse ich die Pension, frisch geduscht mit Frühstück im Magen. Nächster Sehnsuchtsort ist Erfurt Büßleben. Der Weg führt durch Wald und Wiesen, vorbei an Feldern und Pferden. Eine stolze Reiterin dreht einsam ihre Runden. Worum geht es eigentlich beim Reiten? Sport? Tierliebe? Macht? Status? –  Die Möglichkeit von A nach B zu kommen kann es nicht sein. Wann immer mir eine Frau (und irgendwie sind es fast immer Frauen) auf einem Pferd begegnet fühle ich mich gleichsam unterwürfig und leicht sexuell erregt. Dieses Gefühl stellt sich nie ein, wenn eine Person im Porsche an mir vorbeifährt. 

Was denkt eigentlich ein Pferd über Dich?

Büßleben

Die Kirche in Büßleben ist von einem Friedhof umgeben. Ein Schild warnt vor dem Besuch der Gräber an der Friedhofsmauer. Diese ist einsturzgefährdet, sollen aber 2017 repariert werden. Alles klar: „Der Techniker ist informiert". Eine Frau beobachtet mich beim Fotografieren. "Sind Sie wegen der Mauer da?“ fragt sie hoffnungsvoll. - Sie hält mich offenbar für so eine Art Bausachverständigen mit Wanderrucksack.

Beim sitzen auf dem Dorfplatz entdecke ich einen winzigen schwarzen Punkt, der über mein Bein läuft. – Eine Zecke sucht einen Platz zum verweilen. Weil wir Wander-Brüder sind fühle ich mich verbunden. Ich schnippe den kleinen Freund ins hohe Gras. Viel Glück beim nächsten Mal. 

Was denkt eigentlich eine Zecke über Dich?


Urbich

Weiter geht's Richtung Urbich. Mitten im Ort residiert ein Jeansladen. Seltsam: Kein Bäcker, kein Lebensmittelladen und kein Geldautomat, aber ein Jeansgeschäft? Wenn die Leute eh alle nach Erfurt  zu einkaufen fahren, warum besorgen die sich nicht auch ihre Jeans dort? Aber okay, man kennt das ja: Der Einkauf ist gemacht und plötzlich merkt man, dass man vergessen hat Jeans einzukaufen. So ein Ärger! Schließlich hat sich fürs Wochenende Besuch angesagt. Nur gut, dass es noch den kleinen Jeansladen an der Ecke gibt wo sich jeden Samstagmorgen das halbe Dorf trifft um den neuesten Klatsch auszutauschen.

Der alte Jeansladen in Urbich - Hier trifft sich Samstag früh das halbe Dorf

Salzgrotte in Dittelstedt


Ich überquere die vierspurige Konrad Adenauer-Straße und bin auch schon in Dittelstedt. Vorbei an einem Laden der hochwertige Grills verkauft, bleibt mein Auge an einem Schild hängen: Erfurter Salzgrotte. Als Sauna-Freund ist mein Interesse geweckt. Die Schilder führen mich in den Keller eines Bürogebäudes. Eingang B. im Untergeschoss, gegenüber einer Tieraztpraxis unterm Ingenieursbüro. Im salzigen Eingangsbereich unterhalte ich mich mit dem Mann hinterm Tresen aus Salz-Steinen. Eigentlich gehe es hier vor allen um Massagen. Der Salzraum ist auch nicht sehr saunahaft, sondern hat eine Temperatur von 21 Grad. Eine gesundheitlichen Vorteil könne er nicht versprechen, rein rechtlich. Es gebe aber Leute die kommen seit sechs Jahren hier her. Ich habe leider keine Zeit und bin auch ein bisschen von der Location abgeschreckt. Ich kaufe ein paar Salzbonbons und humpele weiter die Hauptstraße runter.

Die Salzgrotte befindet sich natürlich im Keller des Bürogebäudes

Peking City Dittelstedt


Mittlerweile ist es Mittag. Ich besuche ein absurd großes chinesisches Restaurant und bezahle 6,90 € fürs Buffet. Außer mir ist noch ein älteres Ehepaar in dem vor Kitsch strotzenden Saal in Tennisplatzgröße. Seit 29 Jahren hält sich der Laden jetzt schon erzählt mir die Kellnerin auf Nachfrage. Das nenne ich mal traditionelle Thüringer Küche. Am Wochenende ist der Saal voll, berichtet das Ehepaar am Nachbartisch. Ohne Reservierung geht da nix!

Traditionelle Thüringer Küche


Eiscafe Sonja 


Mein Dessert löffle ich im Eiscafe Sonja. Gibt's auch schon seit DDR-Zeiten. Es gibt Soft Eis in Original "nach-Pappe-schmeckender" Waffel. Eine Frau kommt, bestellt ein großes Schoko-Vanille und faltet dann die Eis-Frau verbal zusammen, weil die noch mal irgendwas nachfragt. Ich bin fasziniert von so viel teuflischer Schönheit. Was könnte sie erreichen, wenn sie ihre Kräfte für das Gute einsetzen würde.

Zucker- und Geschmacksfrei: Die Eiswaffel im Eiscafe Sonja.

Henne Kaserne


Über eine bröckelige Straße kämpfe ich mich Richtung Norden. Ein mehrerere Fußballfelder großer Komplex versperrt mir den Weg: Die Hennekaserne ist eine der diskretesten Kasernen die ich kenne. Wenn man nicht ab und zu dagegen laufen würde, könnte man vergessen, dass sie existiert. Was haben die zu verbergen??? 

Was haben die zu verbergen ???

Robert Smiths Subway Filliale


Ich gehe links am Zaun entlang. Nach 20 Minuten betrete ich auf der Rückseite des Metro Marktes die Zivilisation. Ein paar hundert Meter weiter stoße ich auf eine Subway-Filiale. Wie die meisten Subway Filialen ist sie leer. Ich kaufe einen Kaffee und absolviere eine hochkomplexe Subway Bewertungsumfrage im Internet. Als Belohnung bekomme ich einen Cookie – ja, fein! Ich bin ein Guter!

Seit dem gestrigen Tag horte ich zwanghaft Lebensmittel. Ich möchte nie wieder hungern! Ich habe bereits ein altes Brötchen, einen Apfel, eine Packung Sole-Salbei-Bonbons und einen Glückskeks. Die Subway-Filiale gehört übrigens einem Robert Schmidt. Leute die sich an die Achtziger erinnern werden verstehen.

Das Subway im Gewerbegebiet gehört Robert Smith

Linderbach und Azmannsdorf


Weiter geht's. Ich muss heute noch nach Stotternheim und mir tut jetzt schon alles weh. Die Orte Linderbach und Azmannsdorf verfehle ich knapp, weil ich zu früh abbiegen. Sorry!
Andererseits: Darum geht es doch beim reisen. Einfach mal den Plan ändern, ohne dass einen jemand auf den Sack geht. Der Arbeitgeber, der Vermieter, die Bank, die Mutti, der Vati. Einfach mal frei sein. Ha! Du kannst mich mal Azmannsdorf. Kerpsleben – get ready to Rock!

Kerpsleben


Am Ortsrand fallen mir direkt zwei Dinge ins Auge. Eine Autowerkstatt mit dem denkwürdigen würdigen Slogan: "Hack – Karosserie und Lack." und ein Wohnhaus in Form eines italienischen Schlosses mit Türmchen und Säulen. Ich spreche eine Passantin an: „Wer bewohnt dieses Schloß, edle Dame?“ - "Das Haus gehört Herrm Hack!"
Ich staune: "What the fuck – Hack?"

Hack - Karosserie und Lack
What the fuck, Hack?

Fickt-Euch-Allee


Ich besorge eine Dose Sterni und mache mich auf dem Weg nach Schwerborn. Der Pfad führt  durch wogende Weizenfelder. Der Himmel hängt voller dramatischer Wolken. Mitten im Weizen ragt ein bewaldeter Hügel wie eine einsame Insel aus dem Meer. Ich überlege ob ich dort mein Zelt aufbaue. Noch wäre Zeit nach Kerpsleben zurückzulaufen um Dinge zu kaufen, die sich über einen romantischem Feuer rösten lassen. Doch leider muss ich feststellen, dass ich nicht allein auf der Insel bin. Der Hügel ist bewohnt! Zuerst sehe ich das Angeber Auto, ein SUV einer teuren Automarke, dann das Schild: „Zutritt verboten. Gelände wird überwacht“. Dann das Straßenschild "Fickt – euch – Allee“.  Mein Sterni trinke ich dann lieber in sicherer  Entfernung.


Fickt-Euch-Allee


Schwerborn


Mittlerweile ist es 18 Uhr. Mit letzter Kraft erreiche ich Schwerborn. Sieht eigentlich ganz niedlich aus. Die Dorfkneipe ist schön urig. Als ich eintrete verstummen die Gespräche der Männer am Tresen. Ich frage nach einem Zimmer. Der Wirt muss erst mal telefonisch nachfragen. Logisch, bei so nem Mega-Hotel. So langsam setzen die Gespräche wieder ein. Der Sänger von Rammstein hat in München irgend jemand eine "aufs Maul“ gehauen. Kann ja sein, hilft mir aber nicht weiter. Zimmer sind alle belegt, vermeldet der Wirt, vielleicht mal in Stotternheim probieren. Ich breche innerlich zusammen und verfluche den Rammstein-Sänger mit seinen Luxus – Problemen. Sollte ich meine Prinzipien untreu werden und die zwei Kilometer mit dem Bus fahren? Ich sitze 20 Minuten an der Bushaltestelle und telefoniere mit Zuhause. Kurz bevor der Bus kommt laufe ich los. 

Ich nehme den Weg am See entlang um potentielle Schlafplätze auszuspähen. Alles ganz schön, aber auch viele Schwirr-Viecher. Auf halber Strecke versperrt ein Zaun den Weg. Umkehren ist keine Option! Auf der anderen Seite des Zauns liegt ein perfekter Schlafplatz: Sauber, eben - eine kleine Bucht am Luthersee. Ein Schild warnt: "Zelten verboten ! Von der Schusswaffe Gebrauch gemacht - Der Anglerverein" Ich laufe erst mal weiter. Es folgen weitere Schilder. Offenbar befinde ich mich auf Privatbesitz. Gerne möchte ich den wieder verlassen, doch die Zäune und Tore haben spitze Stacheln oben drauf. Nur ein Tor zum Nachbargrundstück scheint überwindbar. Ich klettere darüber. Hinterher merke ich dass es offen war. 

Fast wäre ich noch dem Kampfroboter des Anglervereins in die Arme gelaufen

Stotternheim


Der neue Ort wirkt sehr einladend. Ein weitläufiger Park mit Volleyball Plätzen, doch vollkommen menschenleer. Fuck – das ist das Strandbad Stotternheim! Schnell suche ich ein Tor zum drüber klettern. Genau wie Pferdemenschen, sind Bademeister ein elitäres Völkchen. Ein solcher Regelverstoß würde wahrscheinlich mit hochnäsiger Ungläubigkeit und den Worten: „Das ist jetzt nicht Ihr Ernst, oder???“ bestraft werden. Und ich bin nicht mehr in der Verfassung so viel Verachtung zu ertragen. 

In Stotternheim gibt es drei Pensionen. Alle sind belegt. In einer Stunde wird die Sonne untergehen. "Don't panic" - rufe ich mir die oberste Devise alle Reisenden in Erinnerung. Ich bestelle eine schöne Pizza. Mit Google Maps erwähle ich den Klingensee zu zum Nachtlager. Mit wirklich aller letzter Kraft suche ich eine Stelle die nicht komplett mit Müll überzogen ist und errichte das Zelt. Eigentlich ist es nur eine Zeltplane. Das Innenzelt liegt zu Hause. War zu schwer. Trotz fortgesetzter Mückenattacken falle ich bald in einen tiefen Schlaf.

Das Innenzelt liegt leider zu Hause.
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Bildergalerie Tag zwei


30 Jahre nach der Wende wurde das Aufstellen eines Stein-Wegweisers schließlich genehmigt.

Womit die Frage beantwortet wäre, ob Kühe im Stehen schlafen.



Wichtige Erkenntnis: Ausnahmslos jeder Ort hat seine eigene Kirche

Friedhofsmauer in Büßleben: "Der Techniker ist informiert".



Gleich hinter der Konrad-Adenauer-Straße wartet Dittelstedt

Da kommt Stimmung auf.
Da kommt noch mehr Stimmung auf.



Chinatown in Dittelstedt

Der Innenraum des China-Restaurants ist absurd groß.

"All you can eat"-Buffet für 6,50€  
Die zukünftige Ursula-von-der-Leyen-Kaserne an der Henne

Das Betrachten dieses Bildes kann Depressionen auslösen.

Spielhalle und Subway teilen sich ein Gebäude.

 Apfel, Glückskeks, Cookie, Salzbonbons, Brötchen, Kaffee

Kerpsleben!

Friedhofsromantik in Kerpsleben




Mitten im Weizenmeer zwischen Kerpsleben und Stotternheim liegt die Fickt-Euch-Allee.
Leider geil: Sterni


Schwerborn.


Es geht doch nicht über einen romantischen Sonnenuntergang.






Freitag, 12. Juli 2019

Socks and the City - Zu Fuß durchs Erfurter Hinterland (Tag 1)

In 80 Tagen lies Jules Verne seinen britischen Edelmann Phileas Fogg um die Welt reisen. Leider ist dieser Roman bereits geschrieben. Hier lässt sich kein Ruhm mehr ernten. In Zeiten virulenter Flugscham und allgegenwertiger Regionalität, bleibt also nur noch ein Abenteuer, dass extrem genug ist um Reise-Geschichte zu schreiben: Die Umrundung der eigenen Heimatstadt in vier Tagen! - Socks and the City.

Es geht doch nichts über einen gut durchdachten Plan.

Tag 1: Vom Franz Mehlhose nach Obernissa


Los geht's am Franz Mehlhhose in der Löberstraße, nahe des Juri Gagarin Rings. Der Weg aus der Stadt führt in Richtung Süden. Nach 300 Metern entdecke ich ein Schild, dass „Vampirlifting“ anbietet - mit Eigenbluttherapie! Und das drei Minuten nach dem Start. Diese Wanderung verspricht interessant zu werden.

Von wegen, Schönheits-Medizin wäre nicht seriös!
Von wegen, Schönheits-Medizin wäre nicht seriös! 

Im Dichterviertel halte ich beim Geldautomat, bei Netto und dann noch mal bei Teegut. Ausbeute der Einkaufsorgie: Sonnencreme, eine Flasche Wasser, und eine wasserdichte Handyhülle zum Umhängen. Erste Zwischenbilanz: Eine Stunde für einen Kilometer Wegstrecke. Wenn das so weiter geht werden vier Tage nicht reichen. Am Waldcasino drehe ich mich noch mal um: Mach's gut Erfurt - Hallo Vororte von Erfurt.

Möbisburg-Rhoda

Erster Ort auf der Strecke ist Möbisburg-Rhoda. Der Weg führt durch den Steiger, vorbei an Krötentunneln und dem Ausflugslokal Waldhaus. Es wird die letzte offene Gaststätte sein, die ich bis zum Abend sehe. In Rhoda begegnen mir ein Bus, ein Mann und dessen Hund, namens Emily. Ein chinesisches Modell mit eingedrückter Schnauze. „Der ist über die neue Seidenstraße gekommen“, sagt Emilys Herrchen. Vermutlich ein politischer Witz. Ich gucke den Mann verständnislos an - Smalltalk kann ich!

Einwohner Möbisburg-Rhodas

Ansonsten scheint Rhoda nur aus einer Hauptstraße mit Häusern zu bestehen. Das Restaurant im Hotel hat heute Ruhetag. Das Antikstübchen hat auch zu. Also folge ich dem Wegweiser nach Waltersleben. Auf dem Weg dorthin treffe ich wieder einen Mann mit Hund. Nächster Smalltalk Versuch:

„Geht's da lang nach Waltersleben? Isses noch weit? Was gibt's da zu essen?“ – Ich lerne schnell.

Zu essen gibt es dort aber nichts, einen Laden sowieso nicht. Er empfiehlt mir die Kantine von Möbel Rieger an der Autobahn. – „Wussten Sie, dass ein Mensch sieben Tage ohne Essen überleben kann?“ versuche ich es wieder mit Smalltalk. - Das war wohl nix.

Hinter dem Feld liegt Wandersleben. Und hinter Wandersleben liegt die Kantine von Möbel-Rieger.


Waltersleben

Im Ort treffe ich niemanden, außer drei Pferden. Eine Frau sitzt in ihrem Garten und liest. Der Spielplatz beherbergt zwei der sinnlosesten Spielgeräte die ich jemals sah: Ein überdimensionales Kugel-im-Labyrinth-Spiel und ein fest aufgebrachtes Himmel-und-Hölle-Spiel mit angenehm weichen Gummi-Hüpfflächen für geschätzt 20.000€. Thüringen – quo vadis?

Nix zu essen, aber ein gummiertes Himmel und Hölle-Spiel für geschätzt 20.000 Euro. - Thüringen quo vadis?


Egstedt

Weiter geht's auf der Landstraße Richtung Egstedt. Langsam bekomme ich ernsthaft Hunger. Ich vertilge ein paar Löwenzahnblätter vom Wegesrand und noch ein paar, dann noch welche. Im Ort unterhalte ich mich mit einer Frau über die Abwesenheit von Nahrungsangeboten. Das Thema beginnt zu einer fixen Idee zu werden.


In der Straße mit den neugebauten Einfamilienhäusern hängen noch die FDP-Plakate von der letzten Wahl. Und die sind nicht mal beschmiert !!! Mir reicht‘s. Ich hau ab.

Unerträglich: Ein unbeflecktes FDP-Plakat

Schellroda


Ich passiere einen Truppenübungsplatz und das Forsthaus Willrode mit seinem geschlossenen Wildladen. Und ich hätte mir doch so gerne ein Schwein gebraten. In Schellroda klingelt mein Telefon. Meine Freundin will wissen wo ich bin. 

„Schellroda“
 „Hä?“ 
„Schellrodaaaa!“ "
Chill-Roda?“ 
 „Nein!!!!“ 

Ich lege entnervt auf. Das markanteste an Schellroda ist übrigens das immer währende Geräusch der nahen Autobahn. Die Kirche hingegen ist gut versteckt. Obwohl man den Kirchturm von überall sieht, finde ich keinen Weg dorthin. Vielleicht liegt’s auch am Hunger.

Unerreichbar?: Die Kirche von "Chill-Roda". 


Raststätte Haarberg

Die nächsten Kilometer bis zur Raststätte Haarberg lege ich stolpernd zurück. Jetzt ist auch noch das Wasser alle. Zum Glück verlaufe ich mich und stoße dabei auf eine Quelle. Die Raststätte Haarberg war früher mal ein florierender Imbiss mit Bratwurststand und urigem Interieur à la Honeckers Jagdhütte. Heute verspricht das Schild „Spielhalle“ eine verrauchte Bude mit Automaten, Bockwurst und Filter Kaffee.

Wer rein will muss klingeln. Eine Tür-Kamera schaut direkt in die Seele des einsamen Klinglers. – Ich klingle nicht.

War früher mal cool: Raststätte Haarberg

Mit schmerzenden Füßen laufe ich Richtung Rohda (Nicht zu verwechseln mit Rhoda, man beachte die Stellung des „h“ hinter dem „o“). Im Geiste gehe ich alle Ernährungs-Alternativen durch: Pizza bestellen zur Bushaltestelle oder durchkämpfen bis zum Globus im Gewerbegebiet. Nebenbei checke ich mögliche Schlafplätze ab. Schließlich schleppe ich doch mein Zelt nicht umsonst 20 km durch die ehemalige DDR!


Rohda


Endlich ein Hof-Cafe. Trotz Pensionsgästen öffnet es der Betreiber aber nur am Wochenende. Ich überlege ob ich eines der niedlichen Katzenbabys entführe, die in der Sonne spielen. Nach einem kurzen Gespräch mache ich mich auf Richtung Obernissa. Das stand eigentlich gar nicht auf der Liste, aber dort soll es ganz bestimmt so eine Art Gast-Halle geben. „Die haben eigentlich immer auf“ meint der Hof-Mensch. Also noch mal zwei Kilometer den Berg rauf.

Appetitliche Katzenbabys in Rohda.

Obernissa

Kurz hinterm Ortseingang begegnet mir eine lang gezogene Baracke. „Freizeitzentrum Bowlingbahn„. Seufz, aber was hilft‘s? Das hier oder die Baby-Katzen. Und die liegen nun mal zwei Kilometer hinter mir. Ich bestelle ein Spiegelei,eine Portion Pommes und ein Bier.

Während ich warte, rede ich mit dem Betreiber. „Gibt's hier ne Pension?“ – „Ja, 200 Meter weiter beim Gasthaus!“. Innerlich verfluche ich alle alten und neuen Götter. Im TV läuft der Discovery Kanal auf Sky. Wir smalltalken über Karpfen (nicht von hier), das Wetter (früher war weniger Wind) und das Gasthaus am Haarberg (hat die Wende nicht überlebt). Ich zahle 7,50 € fürs Essen und laufe zur Pension um mir ein Zimmer zu nehmen.

Im  Hotelzimmer läuft "Die besten Hits der Volksmusik" - Leider bin ich zu schwach zum umschalten.

(weiter zu Tag 2)

Bildergalerie - Tag 1
Startpunkt der Reise.

An alles gedacht, außer an Blasenpflaster, Sonnencreme, Wasser und was zu essen.

Die letzte Nahrungsquelle für die nächsten 8 Stunden

Kurz hinter Erfurt beginnt die Freiheit

Kaum mehr als eine bebaute Straße: Möbisburg-Rhoda

Hier führt jemand Krieg mit den Behörden. Und alle dürfen teilhaben.

Ein Guter!

Eines von vier Lebewesen in Wandersleben 

Falls ich mal ein Alibi für fünf vor zwei brauche. Dieses Bild wird mich entlasten. 

Drogen sind keine Lösung.- Und selbst wenn, ich hatte nix dabei.

Im Forsthaus Willrode gibt es was zu essen. Aber nicht heute.

Hier geht's zum Autobahn-Feeling: Klick

Chillroda an der Autobahn

In einer Gegend ohne Einkaufsmöglichkeiten bekommen einsame Quellen im Wald plötzlich einen ganz anderen Stellenwert.

Ich glaube die Pommes kamen aus dem Backofen.

Obernissa von drinnen.

Einwohner Obernissas.